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Interview mit Tobias Huch zum Thema „Faustus Eberle, Abofallen und Hintergründe“

Aufgrund des komplexen Sachverhaltes habe ich mich dazu entschlossen, das Interview mit Tobias Huch in mehreren Teilen zu veröffentlichen. Die Veröffentlichung weiterer Teile wird rechtzeitig auf der Startseite angekündigt. Im entsprechenden Artikel haben Sie dann auch die Möglichkeit, darüber zu diskutieren.

Claus Frickemeier: Herr Huch, Sie wurden bundesweit bekannt, als Sie mit dem Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL den T-Mobile-Datenskandal aufgedeckt haben. Später kam dann noch die Aufdeckung des Schlecker-Datenskandals und das Aufspüren gravierender Sicherheitslücken beim Internet-Hostingprovider Hetzner. Außerdem haben Sie ja grundlegende Prozesse für die Meinungs- und Internetfreiheit geführt. Wie kam der Kontakt zu einer Person wie Faustus Eberle?

Huch: Ja. Ich bin gerne ein „Hans Dampf in allen Gassen“. Daher ist es auch nicht ungewöhnlich, dass ich eine Person wie Faustus Eberle persönlich kenne. Der Kontakt entsteht vor ca. 8-9 Jahren durch die Frankfurter Partygesellschaft. Ich war Stammgast einer Diskothek in der Nähe des Frankfurter Hauptbahnhofs mit dem Namen „Galerie“ und irgendwann stellte mir einer der Clubmitarbeiter den jungen Faustus Eberle vor. Ich war zu dem Zeitpunkt um die 21 Jahre jung und Faustus wohl 22 Jahre. Wir sahen uns dann immer mal wieder am Wochenende, wenn er ebenso wie ich einen Tisch mit Freunden in dem Club hatte und so entstand langsam eine gute Bekanntschaft. In dem gleichen Club lernte ich auch später den in Internetabzocker-Kreisen bekannten Brian Corvers kennen. Ich glaube sogar, dass sich Faustus Eberle und Brian Corvers durch mich kennengelernt haben. Mit beiden hatte ich zu dem Zeitpunkt keine Geschäfte gemacht. Brian stufte ich als ein wenig „einfach gestrickt“ und Faustus als recht klug ein. Die Einschätzung teile ich übrigens heute immer noch.

Claus Frickemeier: Was für Geschäfte machte Faustus Eberle zu dem Zeitpunkt?

Huch: Das kann ich heute gar nicht mehr genau sagen. Irgendwas mit Internet war mir klar, aber nichts in meiner damaligen Branche (Erotik & Jugendschutz). Für Faustus war ich wohl geschäftlich auch nicht sonderlich interessant, weil der Erotikmarkt nichts für ihn war. 

Claus Frickemeier: Sie lernten laut Gerüchten um 2004/2005 auch einen Benjamin A. kennen. Was hat es mit dieser Bekanntschaft auf sich? Was sagt Ihnen die Cupido Entertainment AG?

Huch: Ja, das stimmt und ich bereue tief, dass ich diesen Menschen je kennengelernt habe bzw. ich seinen Charakter erst sehr spät (2007) durchschaut habe. A. und ich lernten uns auf Mallorca bei einer Internetmesse am Pool kennen. Wir beide teilten den Geschmack für das Getränk „Cuba Libre“ und ich organisierte für ein paar Geschäftspartner ausreichend Eiswürfel, Cola und trinkbaren Rum. A. schlug mir vor Teile meiner Geschäfte doch in die Schweiz zu verlegen, da dort die Jugendschutzgesetzgebung rechtsstaatlicher sei. Diese Auffassung teilte ich natürlich, da mein Unternehmen massiv unter dem Verfolgungswahnsinn durchgeknallter Pseudo-Jugendschützer litt. A. zeigte umfangreiche Referenzen und Erfahrungen im Bereich der Internetgeschäfte und der Werbevermarktung und so gründete ich dafür eine Schweizer AG (Cupido), welche durch A. als Geschäftsführer geführt wurde. Mir kam das in doppelte Hinsicht gelegen, da ich nicht nur von verfassungswidrigen Jugendschutzgesetzen frustriert war, sondern auch von dem Tagesgeschäft an sich. Ich sehe meine wirkliche Stärke in kreativen Projekten und Ideen und nicht in der Führung eines Unternehmens und von Mitarbeitern. Dies überlies ich daher quasi blind A., der anfangs auch gut Gas gab und für Erfolg sorgte. Ende 2006 kam es aber zu Differenzen, da ich mit seiner Art mit Mitbewerbern umzugehen nicht klar kam. Sagen wir es mal so … er hatte nicht nur verbale Argumente und so kam es an der Venus-Messe 2006 zu einem Zwischenfall, der mich schockierte. Einer schweren Erkrankung im Frühsommer 2007 habe ich es zu verdanken, ohne großen Kontakt zu A., über die ganze Situation nachdenken zu können. Eine Quarantäne durch das Gesundheitsamt (verdorbenes Essen) im Krankenhaus über zwei Wochen hat manchmal doch ihr Gutes. So entschied ich einen kompletten Schnitt zu machen und das Thema „Cupido“ zu beenden. Auch einen geplanten Börsengang mit einem von mir erfundenen Projekt blies ich ab, da ich „die Schnauze voll hatte“ von allem. Ich war einfach total unzufrieden mit der Situation. Im Zuge der Auflösung des Unternehmens kam es noch zu mehreren unschönen Situationen, auf die ich hier zum Schutz meiner Familie nicht näher eingehen will. Als quasi „Finale“ der ganzen missratenen Situation kam es - durch eine anonyme Anzeige – in meiner Firma in Mainz und bei mir privat zu einer Hausdurchsuchung durch die Steuerfahndung. Hierbei ging es aber nicht um die Cupido, sondern um Gelder, die ich durch eine karibische Firma und mehrere spanische Firmen erhalten habe. Später stellten sich diese Vorwürfe als haltlos heraus. Jedoch nahm ich den Durchsuchungstermin zum Anlass die durchsuchenden Beamten zu bitten, doch mal näher auf den Cupido-Komplex zu achten, da ich den ganzen Abschlüssen nicht mehr traute. Man sagte mir zu, dies gerne  auch ins Auge zu fassen, wenn der eigentliche Durchsuchungsgrund beendet sei. Im Nachhinein war dies – so muss ich zugeben – wohl ein sehr naiver Fehler. Denn statt mir eine Einschätzung zukommen zu lassen, wurde ein Steuerstrafverfahren wegen der Cupido gegen mich eröffnet. Damit hatte ich ehrlich gesagt nicht gerechnet, da ich ja selber die Steuerbehörden auf mein schlechtes Gefühl in dem Komplex hingewiesen habe. 4,5 Jahre später habe ich dann die Quittung für meine Naivität (Vertrauen in Personen, denen ich nicht hätte vertrauen dürfen und meine Offenheit gegenüber Behörden) bekommen. Man lastete mir die „faktische Geschäftsführung“ der Cupido an und nach über 350.000 Euro an Anwaltskosten, wöchentlichen Prozessterminen, eine verkürzten und teils sehr verletzenden medialen Darstellung des Prozesses, kapitulierte ich und bat meine Anwälte „der Anklage nicht mehr entgegenzutreten“. Für mich war eine Vorstrafe das kleinere Übel, als noch einen Prozess, der über weitere Monate geht. Dem Gericht selbst kann ich dafür keinen Vorwurf machen. Ich mache mir da selber Vorwürfe zu gutgläubig gewesen zu sein. Moralisch habe ich mir aber nichts vorzuwerfen, da ich niemanden geschädigt habe, keinen Profit von der Situation hatte und auch persönlich nichts hinterzogen habe. Ich arbeite gerade an einer kompletten Aufarbeitung dieses Falls, da ich gerne jedem einem einen Einblick in so ein Verfahren geben möchte. Ich bin ja politisch auch sehr aktiv und da gehört eine gewisse Transparenz einfach dazu, um ernst genommen zu werden. 

Claus Frickemeier: WOW! Das war sehr offen und weit mehr als ich erwartet habe. Sie verstecken sich nicht, das ist sehr gut und wird hoffentlich auch honoriert. Aber jetzt noch zu der Person Trejtnar. In Ihrer schriftlichen Aussage vor dem LG Bielefeld haben Sie das Abzockkonstrukt „Eberle-Trejtnar“ ja total zusammenbrechen lassen. Wie kamen Sie zu Trejtnar?

Huch: Vieles steht ja schon in der Aussage, die veröffentlicht wurde. Vielleicht verlinken Sie auch auf diese in dem Interview [Seite 1 - Seite 2 - Seite 3]. Hauptgrund für den Kontakt zu Trejtnar war die Bitte von Faustus Eberle ihm da zu helfen. Faustus wusste, dass ich ein sehr großes Netzwerk in alle Bereiche (Politik, Wirtschaft, Verbraucherschutz, etc.) habe und sah sich durch Trejtnar ungerecht behandelt. Ich setzte mich also mit Trejtnar in Verbindung und vermittelte den Kontakt. Es kam dann auch zu einem Treffen in Mainz, wo Eberle sehr offen über sein Produkt „Nachbarschaft24“ sprach, welches ich aber in seinem Ablauf immer wieder kritisierte, da es in meinen Augen wirtschaftlich falsch geführt wird. Man kann so ein Produkt wunderbar seriös und ohne Tricks führen und vielleicht sogar noch mehr einnehmen, als durch Abzocke, da man sich dann viel Ärger spart. So war dann auch die Verbindung Trejtnar-Eberle gedacht. Jedoch entwickelte sich diese entgegen meiner eigentlichen Intention. Denn auf einmal wollte Trejtnar nichts mehr von Verbraucherschutz und seriösem Business wissen, sondern selber an den Geschäften von Eberle kräftig mitverdienen. Er schwärmte schon vor, dass er unbedingt einen 7er BMW benötige wie ihn Eberle fahren würde. Gut … in den Porsche Turbo oder den 430er Ferrari von Faustus würde er bestimmt nicht reinpassen.

Der Verein hatte aber auch viele juristische Probleme mit den Anwälten der Abzockbranche und Trejtnar wollte da Hilfe haben. Faustus Eberle wollte da helfen, aber nicht persönlich auftauchen und so bat er mich die Kosten vorzustrecken (am Ende ca. 60.000 Euro) und einen guten Anwalt zu besorgen. Dies tat ich dann und Trejtnar wusste auch, dass das Geld eigentlich durch Eberle kam. Zum Streit zwischen den Trejtnar-Eberle und mir kam es dann, als Faustus unzfrieden mit Trejtnar war und hinter diesem Vorwand von der Vereinbarung nichts mehr wissen wollte. Glücklicherweise hatte ich bei einem Gespräch zu den Anwaltskosten einen neutralen Zeugen dabei, der meine Aussage zu 100% stützt und der auch vor dem OLG Frankfurt im Prozess gegen Eberle dazu ausgesagt hat. Mein Anwalt prüft derzeit, ob gegen Trejtnar Verfahren wegen Falschaussage eröffnet werden können, da er klar vor dem LG und dem OLG Frankfurt gelogen hat, um seinen neuen Freund Faustus Eberle zu schützen, der zwischenzeitlich – auch wegen einer Aussage von mir in einem anderen Fall – in U-Haft sitzt (seit Februar 2012).

Für den Leser des Interviews ist das alles sicher ein wenig verwirrend, aber ich will gerne weitere Fragen und Details beantworten, wenn man mir diese stellt. So kann das Interview immer weiter ausgebaut und erweitert werden.

Claus Frickemeier: Das ist ein sehr gutes Angebot, auf welches ich sicher zurückkommen werde. Was machen Sie eigentlich – so als Abschlussfrage für heute – aktuell?

Huch: Ich betreibe weiterhin mein Jugendschutzsystem ueber18.de, berate Firmen im Bereich Datenschutz und Social Media, habe eine kleine Medienagentur mit Musikproduktion und bin noch stärker politisch unterwegs. Privat konzentriere ich mich auf gemeinnützige Projekte. So unterstützt meine Firma sehr aktiv ein Kinderkrebshospiz in Frankfurt und ich habe mit ein paar anderen eine Krankenhausstiftung in Liberia gegründet. Dieses Jahr fliege ich wieder dorthin, um zu helfen, wo Hilfe benötigt wird (bei den Schulen, politischen Kontakten und dem Anwerben von Investoren). Es ist erstaunlich welche Gelassenheit man entwickelt, wenn man sieht mit wie wenig Menschen glücklich leben und wie unwichtig für das persönliche Glück das Anhäufen von Geld ist. 

Interview mit Tobias Huch, Teil II


Claus Frickemeier: Jetzt machen wir mal weiter mit den Fragen und ein paar Details Ihrer Aktivitäten. Was hatte es eigentlich mit der Klage gegen den Provider Arcor zur Sperrung von Google auf sich?

Huch: Das war ein schöner Show-Prozess, mit dem ich eine Kammer des Landgericht Frankfurt vorgeführt habe. Im Vorfeld hatte das LG Frankfurt auf Antrag eines Videothekenbetreibers entschieden, dass Arcor die Seite „YouPorn.com“ sperren muss, da diese gegen deutsches Jugendschutzrecht verstößt. Man hat also die erste Sperrverfügung/Zensurverfügung auf Basis des Wettbewerbsrechtes angeordnet. Ich sah darin – wie sehr viele – den ersten Schritt in Richtung Zensurstruktur. Für mich war klar, dass Zugangs-/Durchleitungprovider nicht für die Inhalte verantwortlich gemacht werden dürfen. Wir verklagen ja auch nicht die Deutsche Post, wenn in den Paketen irgendetwas nicht rechtlich einwandfrei ist.
Ich stand schon zu diesem Zeitpunkt mit einem Arcor-Vorstand im engen Kontakt, da wir uns aus einer anderen Jugendschutzaktivität kannten und uns sehr gut verstanden. In einem Telefonat mit diesem Arcor-Vorstand kam ich dann auf die Idee selber Arcor noch schwachsinniger zu verklagen, als es der Videothekenbetreiber schon getan hatte. Ich wollte schauen, ob das Landgericht sein verfassungswidriges Urteil weiter aufrechterhält, wenn ich Google.com sperren lasse möchte. Der Arcor-Vorstand fand diese Idee natürlich nicht besonders prickelnd, da man nicht mehr im Pornoumfeld genannt werden wollte. Dies hinderte mich aber nicht an meinem Vorhaben. Mir war klar, dass diese Show-Klage schnell missverstanden werden könnte und daher habe ich die HEISE.de-Redaktion in mein Vorhaben offen eingeweiht und ihnen den Scheinprozess genau erklärt. So konnte ich mir sicher sein, dass später nicht irgendwelche Spinner behaupten, ich hätte irgendwas zensieren wollen. Die HEISE.de-Redaktion kann jederzeit bestätigen, dass es nur um Bürger- und Freiheitsrechte ging. Natürlich dürfte die Taktik nicht im Vorfeld veröffentlich werden, da meine Klage sonst als rechtsmissbräuchlich angesehen werden würde und so versteckte HEISE.de mein Vorhaben sehr klug in ihrem Artikel dazu. Wer genau liest, sieht, dass die Redaktion im Vorfeld eingeweiht war. Der Prozess verlief auch dann so genau wie ich es wollte. Ich verlor wie geplant vor dem LG Frankfurt und ging dann noch zum OLG, um einen höchstrichterlichen Beschluss zu bekommen und auch dort erkannte man, dass die „YouPorn-Entscheidung“ totaler Blödsinn war. Auf Basis meines „Google/Arcor-Prozesses“ konnte Arcor, dann alle Sperrverfügungen im Folgeverfahren mit dem Videothekenbetreiber aufheben lassen und auch heute profitieren Bürgerrechtler wie der AK Zensur von diesen grundsätzlichen Gerichtsentscheidungen.


Claus Frickemeier: Hatten Sie irgendwelche finanziellen Vorteile davon?

Huch: Nein. Vielmehr hat es mich gut 20.000 Euro gekostet diese Verfahren zu führen. Es ging aber um Bürger- und Freiheitsrechte und darin sind diese Euros sicher gut angelegt. Geld bringt einem ja auch nur etwas, wenn man damit etwas verändern kann.

Claus Frickemeier: Wie war denn das mit der Domain „AdolfHitler.de“ und „SiegHeil.de“? Diese Domains gehörten Ihnen mal.

Huch: Richtig. Durch einen Zufall konnte ich die Domain AdolfHitler.de einer Gruppe Neonazis wegnehmen und sie auf mich umschreiben lassen. Die Domain SiegHeil.de habe ich von einem Antifaschisten für kleines Geld (500 DM oder Euro) erworben, damit sie nicht in falsche Hände gerät.
Erst sollten diese Domains an das Institut für Zeitgeschichte, zu welchem der Ex-Ministerpräsident des Saarlandes Peter Müller (heute Verfassungsrichter) netterweise Kontakt hergestellt hatte. Leider ist das Institut nicht so aufgebaut, dass schnelle Entscheidungen getroffen werden können. Der Besuch in München hat mir dennoch gefallen und die Domains habe ich kurz danach an die Aktion „Shoa.de“ geschenkt, welche sehr gut und umfangreich über den Holocaust informiert. Und auch hier hatte keine finanziellen Vorteile, obwohl ein Abzocker aus der 0190-Dialerbranche versuchte dies zu verbreiten. Er war wohl auf Rache aus, weil ich mitverantwortlich für die von der Bundesnetzagentur (damals RegTP) ausgegebenen Dialerrichtlinien war (dauerhafte Preisangabe, Trennung nach einer Stunde, etc. waren meine Ideen).
Statt finanzieller Vorteile gab es einen Stapel Morddrohungen durch Neonazis und die Polizei hat regelmäßig Streife vor meiner Firma gefahren. Ich habe auch in manchen „Todeslisten“ einen Ehrenplatz erhalten. Ich sei Teil der zionistischen Verschwörung *lach* …. Meine katholische Familie fand das jedenfalls sehr interessant *lach*.

Claus Frickemeier: Das ist lange her und in jüngster Zeit habe es ja noch den T-Mobile-Datenskandal. Wie lief das denn ab?

Huch: Mir wurden 2006 eMail-Daten angeboten von Personen, die eine Werbeeinwilligung bestätigt haben sollen. Diese Daten habe ich mir von einem FTP-Server des Anbieters runtergeladen. Nach erster Prüfung war mir klar, dass dies sicher nicht „koscher“ ist. Alle eMail-Adressen waren von der Telekom und außerdem waren 18,4 Millionen T-Mobile-Handynummern mit den dazugehörigen Namen und Adressdaten in diesen Dateien (TXT-Dateien). Durch einen anderen Kontakt – Wochen vorher – habe ich von einem Datenleck bei der Deutschen Telekom gehört und so habe ich schnell eins und eins zusammengezählt. Meine erste Reaktion war der Griff zum Telefon, um meinen Anwalt zu informieren, der sofort einen Aktenvermerk anlegte. Dann gab es ein sehr anstrengendes Gespräch mit dem Datenhändler, da ich nicht besonders erfreut über diese Art von Daten war. Ich habe ihm auch angekündigt, dass ich sofort die Telekom informieren muss, was ich dann auch am Folgetag mit meinem Anwalt tat. Erst glaubte mir die DTAG nicht, aber als ich ihnen dann die Geheimnummern der Telekom-Vorstände als Beweis schickte, gab es sehr schnell einen Termin in Bonn. Bei diesem Termin habe ich der Telekom all meine Unterlagen offengelegt, die Datenbankkopie mitgebracht und meine Hilfe angeboten. Finanzielle Angebote für meinen Aufwand und meine Mühen habe ich schon am Anfang des Gesprächs abgelehnt, da ich mein Handeln als Selbstverständlichkeit gesehen habe. Die DTAG bat mich nach dem Gespräch für die Staatsanwaltschaft zur Verfügung zu stehen und die Datenbank nicht zu vernichten, sondern sicher zu lagern. Dies tat ich dann auch und legte sie auf einem gesonderten Rechner mit 256-AES-Verschlüsselung (TrueCrypt) in unserem gesicherten Serverraum ab.
Zwei Jahre passierte dann nichts und erst durch den Abhörskandal der DTAG (veröffentlicht im SPIEGEL) erinnerte ich mich wieder an die abgelegten Daten. Auf einem Flug nach Berlin saß durch Zufall die damalige Bundesmininisterin der Justiz Brigitte Zypries eine Reihe vor mir und ich sprach sie auf die Daten an, gab ihr meine Kontaktdaten und kündigte eine SMS von mir an, da ich in der Datenbank auch sicher ihre Handynummer hätte (dem war auch so). Frau Zypries – so hat es der SPIEGEL rausgefunden – hat dann sofort bei der DTAG alarmgeschlagen, aber auch jetzt regte sich die DTAG nicht. Eine Woche später hatte ich dann aber wegen einem ganz anderen Thema zwei SPIEGEL-Redakteure zu besuch, denen ich nach dem eigentlichen Besuchsthema die T-Mobile-Datenbank vorführte. Wir vereinbarten dann gemeinsam diesen Datenskandal aufzudecken und so kam der T-Mobile-Datenskandal Anfang Oktober in alle Nachrichten. Die bis dahin nicht aktive Staatsanwaltschaft (Bonn) reagierte mehr oder weniger unfreundlich und führte eine „Hausdurchsuchung beim unverdächtigen Zeugen“ durch, obwohl sie einen Termin mit mir 5 Stunden später in Mainz hatten. Der eigentlich zuständige Landesdatenschutzbeauftragte war über das Vorgehen der StA nicht sehr erfreut und meine Laune war ausgesprochen schlecht. Noch schlechter wurde meine Laune, als dann die StA Bonn so dreist war, gegen den SPIEGEL und mich ein Strafverfahren einzuleiten. Das Verfahren ist übrigens immer noch im Raum und Angebote, man würde es gegen Geldauflage einstellen, habe ich abgelehnt und um Anklageerhebung gebeten. Derzeit prüfe ich auf Schadenersatz zu klagen, da ich das unrechtsstaatliche Vorgehen der Staatsanwaltschaft Bonn nicht so um Raum stehen lassen will. Der Schadenersatz kann dann gerne an den Weißen Ring oder den Verbraucherschutz gehen, aber ich will öffentlich klarstellen, dass die Verantwortlichen für diesen Datenskandal in den Büros der Staatsanwaltschaft Bonn sitzen. Der zuständige Staatsanwalt ist übrigens mittlerweile nicht mehr für solche Delikte zuständig, sondern kümmert sich um Mord und Totschlag. Da kann er zumindest keinen großen Schaden mehr anrichten. Die Opfer sind ja schon tot.

Interview mit Tobias Huch, Teil III 

Claus Frickemeier: Mit welchen Leuten umgab sich Faustus Eberle vor 8 oder 9 Jahren in der Frankfurter Partygesellschaft, als Sie Ihn dort kennengelernt haben? Handelte es sich um heute einschlägig bekannte Personalien und wenn ja, welche?

Huch: Brian Corvers und Oliver O. Schmidt

Claus Frickemeier: Wann haben Sie angefangen mit Faustus Eberle und Brian Corvers, nachdem Sie diese zusammengeführt haben, Geschäfte zu machen, was waren das für Geschäfte und kooperieren Sie weiterhin mit Faustus Eberle und/oder Brian Corvers?
 
Huch: Das war ab ca. 2004/2005. Da ging es um die Vermittlung von Geschäften im SMS Bereich. Nach den Erfahrungen mit dem Eberle-Verein Nicht-Abzocken e.V. mache ich keine Geschäfte mehr mit den beiden „Herren“

Claus Frickemeier: Was können Sie uns zu Rechtsanwalt Andreas Neuber mitteilen, insbesondere im Kontext zu Massenabmahnungen für die Coolspot AG (Roland Bongartz), sind Sie mit Herrn Rechtsanwalt Andreas Neuber befreundet und welche Rolle hat Ihrer Ansicht nach ein Rechtsanwalt Andreas Neuber, der sich stets und fortlaufend bemüht, sämtlichen Gegnern diverser Abzockereien ein juristisches Bein zu stellen - ist er einer der verkannten Hintermänner?

Huch: Befreundet sind wir sicher nicht. Neuber hat mich mal als seinen „Intimfeind“ bezeichnet. Das liegt wohl daran, dass ich früher ein paar Prozesse gegen ihn gewonnen habe. Und ein wirklicher Coolspot-Anwalt war er nie. Er durfte wohl ein paar kleiner Sachen machen, damit er auch ein bissel was verdient, aber die richtigen Prozesse haben dann gute Anwälte geführt. Und als Hintermann würde ich ihn bei Abzockgeschäften auch nicht bezeichnen. Er ist jemand, der überall versucht ein wenig Geld zu verdienen. Reine Prozesse bei Verkehrsunfällen sind halt nicht so einträglich.

Claus Frickemeier: Bis zum Oktober 2003 war Herr Heiko Hubertz, nach Fusion der AASP GmbH, der eops AG und der Coolspot AG, der CEO der Coolspot AG, die im selben Segment tätig ist wie Sie - Jugendschutz und Systeme zur Altersverifikation. Die Eops AG erlangte traurige Berühmtheit durch sogenannte 300-Euro-Dialer. Waren Sie ebenfalls im Bereich der Dialer aktiv und haben Sie mit diesem Unternehmen kooperiert?

Huch: Nach meiner Erinnerung war die Zuständigkeit für den 300-Euro-Dialer allein bei Roland Bongartz und nicht bei Heiko Hubertz. Ich war einer der ersten Kritiker dieser ekelhaften 300-Euro-Dialer haben sie scharf verurteilt, weil man Menschen damit in den Ruin treiben kann. Das hat mich anständigem Geschäft nichts mehr zu tun! Und ja, ich hatte mal einen Dialer namens TELECOIN, welcher mal bei einem Vergleich von der Zeitschrift CHIP als einziger nicht kritisiert worden ist, weil er als seriöses Zahlungssystem und nicht zur Abzocke programmiert wurde. Demensprechend „erfolgreich“ war ich dann auch damit und habe das Produkt schnell eingestellt.

Claus Frickemeier: Heute ist Herr Heiko Hubertz der CEO der Bigpoint GmbH, einem der größten Anbieter für Browser-Games, der zuletzt wegen seiner Beteiligung am Flirtportal "Meetone" in einem Beitrag des Spiegel mit dem Titel "Flirtportal kopierte Adressbücher und verschickte Spam" eine Erwähnung fand. Bei diesem Werdegang komme ich nicht umher hierbei unweigerlich an Valentin Fritzmann zu denken, der heute ebenfalls diverse Browser-Games betreibt. Sind Ihnen hierzu weitere Parallelen bekannt, wie schätzen Sie den Umstand grundsätzlich ein, dass entsprechende Anbieter heute in Browser-Games investieren und welchen Grund vermuten Sie dahinter?

Huch: Also! Ich finde es nicht fair, wenn man einen wirklich anständigen Kerl wie Heiko Hubertz mit eine dubiosen Person wie Fritzmann in einem Satz nennt. Hubertz hat mit seiner Bigpoint GmbH tolle und absolut einwandfreie Produkte auf den Markt gebracht. Er hält mit seiner Beteiligungsfirma Anteile an vielen Unternehmen und ist dort nicht für die Führung zuständig. Ich sehe ihn als einen der größten Internetunternehmer Deutschlands, dem man keine Vorwürfe machen kann. Es gibt auch keine Parallelen oder Schnittpunkte zwischen Hubertz und Fritzmann. Hubertz hält sich von jeder Form von unseriösem Geschäft klar fern …. Und das ist auch gut so. Warum Anbieter jeder Art in BrowserGames investieren ist klar: Es ist ein lukratives Geschäft

Claus Frickemeier: Im Sommer 2010 versandte Ihr Unternehmen, die Resisto IT GmbH, Zahlungsaufforderungen für einen Gewinnspieldienst mit dem Namen "Win-Total24". Nach Recherchen des Portals Antiabzockenet waren die sogenannte Voicefiles, welche den gültigen Vertragsabschluss mit Win-Total24 belegen sollten, Byte für Byte identisch sind mit denen, die zuvor von der Proinkasso GmbH verwendet wurden - einem mehr als einschlägig bekannten Inkassounternehmen. Die Voicefiles sollen von der damaligen Kus&Theissen GbR PhoenixCall stammen, zu welcher auch Schnittstellen zum sogenannten Wiener Karussell aufzufinden sind. Auf was für ein Geschäft haben Sie sich da nur eingelassen?

Huch: Uns wurden Forderungen angeboten, die ich zu dem Zeitpunkt nicht einschätzen konnte. Um es klar zu sagen: Das war ziemlicher Dreck und wir haben dann Abstand genommen.

Claus Frickemeier: Faustus Eberle und Valentin Fritzmann hosteten Ihre Seiten im Jahre 2007 auf einem gemeinsamen Server von Christian Hoffmann, was eine Kooperation belegt. Seit wann gab es diese Kooperation, hat man auch gemeinsame Projekte betrieben und besteht eine direkte Kooperation nach wie vor, oder dient nur noch Herr Brian Corvers als "kooperative Überbrückung" zwischen Faustus Eberle und Valentin Fritzmann, zumal sich Herr Faustus Eberle nach wie vor in U-Haft befindet?
 
Huch: Da sind die Übergänge fließend. Christian Hoffmann ist der Hoster der Abzocker und er hat ja bei gewissen Produkten wie „Dein Nacktbild im Internet“ fleissig mitgemischt.



Interview mit Tobias Huch, Teil IV

Claus Frickemeier: Der Spiegel veröffentlichte im Rahmen des T-Mobile Datenskandals um Sie auch einen Beitrag mit dem Titel "Mit höchster krimineller Energie" und berichtete unter anderem von einem (Dr.) Matthias Mönch, auf dessen Spuren man bei den Recherchen gestossen sei. Dieser (Dr.) Matthias Mönch steht aktuell im Fokus der Ermittlungsbehörden u.a. wegen Verstößen gegen das Arzneimittelgesetz im Kontext zu Spam für Pillen und gefälschten Viagra - in einem Bericht von Focus aus Mai 2011 sprechen die Ermittler vom "weltweit größten Betrugsfall". Darüber hinaus war (Dr.) Matthias Mönch für so ziemlich jeden Betreiber von Abofallen in der Funktion eines "Vetrieblers" aktiv, da diverse Abofallen von Ihm via Spam beworben und/oder eine Vielzahl eigener Seiten im Rahmen eines "Partnerprogramms" der Abofallenanbieter verbreitet wurden. Kennen Sie diesen (Dr.) Matthias Mönch, was kann man über Ihn sagen und welche Rolle bzw. Relevanz ordnen Sie Ihm zu?

Huch: Über Matthias kann ich persönlich nichts Negatives sagen. Ich habe im Vorfeld des T-Mobile-Datenskandals mit ihm telefoniert und man hat sich allgemein ausgetauscht. In diesem Gespräch erwähnte er auch ein Datenleck bei der DTAG und so konnte ich zwei Wochen später besser 1 und 1 zusammenzählen. Seinen Namen habe ich dann erst wieder in LKA/BKA-Akten gelesen, die mir aufgrund meiner politischen Tätigkeit zugespielt worden waren. Hier ging es um den sog . „Bundestrojaner“ bzw. Landestrojaner. Das „Umfeld Mönch“ wurde anscheinend mittels dieser Überwachungsmaßnahmen beobachtet.

Claus Frickemeier:  Herr (Dr.) Matthias Mönch findet sich häufig im Zusammenhang mit einem Herrn Thomas Promny (Adfire GmbH), welcher wiederum sehr eng mit Dr. Martin Bahr verbandelt zu sein scheint, wenn man sich nicht nur diverse Markenanmeldungen von Herrn Dr. Martin Bahr für Herrn Thomas Promny, sondern auch gemeinsame Projekte wie den "SEO-Stammtisch Hamburg anschaut". In dem im Frühjahr 2012 erschienen Buch "Tote Ratten für den Tankwart" von Frau Manuela Thoma-Adofo, der Ehefrau vom als Inkassoanwalt bekannt gewordenen Rechtsanwalt Olaf Tank, gibt es das Pseudonym "Michael", welcher RA Olaf Tank das erste Inkasso-Mandat beschaffte (Probino.de / Brian Corvers).

Huch: Ich hatte mit Dr. Bahr außer zu einem kurzen Telefonat zum Glücksspielrecht nie Kontakt. Das Buch von Thoma-Adofo habe ich auch nicht und kann daher dazu nichts sagen.

Claus Frickemeier: Im Buch steht ferner, dass besagter "Michael" auch das nächste Inkasso-Mandat an Olaf Tank vermittelt hat, also demnach die Gebrüder Schmidtlein. Die Zuordnung "Michael" = "Dr. Martin Bahr" (sofern Manuela Thoma-Adofo keinen Humbug schreibt) wird einem endgültig offenbar, als Sie von einem gemeinsamen Verlag von "Michael" und Olaf Tank schreibt, bei welchem Sie ebenfalls angestellt war. Eine berufliche Station bei einem Verlag findet (noch) Erwähnung im XING-Profil von Manuela Thoma Adofo - es handelt sich um die Kurutsua GmbH & Co. KG. Geschäftsführer ist Herr Dr. Martin Bahr.

Huch: Das sagt mir leider alles nichts. Ich habe von diesen Kreisen immer Abstand gehalten. 

Claus Frickemeier: Weshalb Frau Thoma-Adofo dermaßen auf die Funktion des "Michael" in Ihrem Buch hinweist, ja quasi ein großes Outing verursacht hat, wäre sicherlich eine interessante Frage, doch was können Sie zu Dr. Martin Bahr sagen, den vermeintlichen Vermittler der Inkasso-Mandate von Brian Corvers und später den Gebrüdern Schmidtlein an Olaf Tank, den juristischen Beistand von Brian Corvers und Valentin Fritzmann (in Sachen Firstload), der aus Dialerzeiten berühmt berüchtigten Mainpean GmbH, nach mir vorliegenden Infos auch als Jurist der oben bereits erwähnten Kus&Theissen GbR PhoenixCall und nicht zuletzt als Vertreter in einer gemeinsamen Sache gegen die ARAG von Rechtsanwalt Carsten Hoenig, welcher den Hauptangeklagten im Hamburger Abofallen-Prozess (Belleros Premium Media Ltd., 99downloads.de) nicht erfolgreich vertrat und welche Rolle bzw. Relevanz hat Ihrer Ansicht nach Herr Thomas Promny, der häufig als "Suchmaschinenspammer" umschrieben wird?

Huch: Ich werde mir dieses Buch heute noch bei Amazon bestellen.
Mainpean sagt mir natürlich etwas und ich kenne dort die Akteure auch sehr gut durch die Adultbranche. Aktuell machen die aber nur noch Zahlungssystem, oder?

Claus Frickemeier: Wer sind für Sie die wichtigsten Akteure in der "Abofallenindustrie"?

Huch:  Faustus Eberle und die Burats (+ Rattenschwanz). Alle anderen sind nur Kopierer, Mitläufer und Möchtegerns.

Claus Frickemeier: Weshalb haben Sie sich jetzt erst, also nach so vielen Jahren, in das Thema um die "Abofallenindustrie" eingeschaltet? Sie hätten doch schon sehr viel früher mit Ihrem Wissen zur Aufklärung beitragen können.

Huch: Es liefen umfangreiche LKA-Ermittlungen, bei denen ich auch teils geholfen habe. Die Veröffentlichung meiner Informationen zu diesem Zeitpunkt hätten die gesamten Ermittlungen gefährdet. Dennoch basieren viele Presseberichte der letzten Jahre auch auf meinen Hintergrundinfos.
Ich hatte auch eine kurze Zeit, in der ich den naiven Glauben hatte, Personen wie Eberle auf den seriösen Weg zu führen mit dem Argument „Lieber 30% weniger Umsatz, dafür aber 100% weniger Ärger“, aber da habe ich gegen eine Wand geredet. Hier sieht man mal wieder schön warum „Gier“ eine Todsünde ist. Auf das Urteil gegen Eberle bin ich sehr gespannt. Nach meiner Einschätzung kommt da einiges zusammen.

Claus Frickemeier: Welche Reaktionen gab es nach unseren bisherigen Interviews?

Huch: Es gab Droh-eMails und anonyme Anrufe mit gezielten Drohungen. Durch die letzten Jahre, in denen ich gelegentlich Morddrohungen erhalten habe, habe ich aber ein dickes Fell.
Einen „Hausbesuch“ – wie er bei Ihnen durch Trejtnar stattgefunden hat – hat es bisher nicht gegeben. Dennoch habe ich durch die lange Erfahrung und durch den Ratschlag des LKA Rheinland-Pfalz im letzten Jahr die Mainzer Polizeibehörden informiert und um stärkeren Streifendienst in meinem Umfeld gebeten. Ich denke, dass dieser Bitte nachgekommen wird. 


...wird fortgesetzt!