Montag, 10. August 2009

Personalwesen. Oder: hinterfragst du, gehst du...

Es gab in der Firmenzentrale von Babenhauserheide in der Mindener Str. 118 in Vlotho unterschiedliche Arbeitsverträge, die mit den Mitarbeitern abgeschlossen wurden. Einige, wenige Vollzeitkräfte sowie in der Regel Teilzeit- bzw. 400 EUR-Kräfte. In der Regel gab es sogenannte "Kombi-Verträge", das heißt, daß es zwei Verträge gab: einen mit der BWL Letter & Support GmbH und parallel einen mit der IDS Wirtschaftsdienste. Jeder Mitarbeiter musste weiterhin eine Verschwiegenheitserklärung unterschreiben, die als Anlage den Arbeitsverträgen beigefügt war.

Herr Babenhauserheide zitierte oftmals Strohmann Brandes in sein Büro um ihm mitzuteilen, wen er zu entlassen hätte. Unter fadenscheinigen Ausreden ("die arbeitet nicht korrekt, ist zu langsam, will ich hier nicht mehr sehen") hatte dann Strohmann Brandes zu handeln. Mal wurde fristlos, mal fristgerecht gekündigt. Im Kreis der Mitarbeiter wurde über solche Kündigungen natürlich unter vorgehaltener Hand diskutiert. Alle ausgesprochenen Kündigungen brüskierten die Belegschaft - aber selten wurde gewagt, sich aufzulehnen.

Setzte sich jemand für einen -grundlos- entlassenen Mitarbeiter ein, in dem er das Gespräch mit Babenhauserheide suchte, so durfte selbiger gleich mit gehen. Für Babenhauserseide waren Personalien Schall und Rauch, Mitarbeiter lediglich Zahlen auf dem Papier. Er mied die persönlichen Gespräche, die unbequem waren und nutzte dazu seine Marionette Brandes, der dann -hochwichtig- stammelnd Begründungen formulierte. So mancher Mitarbeiter glaubte nach einem solchen Gespräch selber, daß er unverzeihliche Fehler begangen hatte, die eine Kündigung rechtfertigte.

Auch ich habe viele solcher Entlassungsgespräche geführt und weiß heute, daß mir Brandes und Babenhauserheide Blödsinn erzählt haben. Die vermeintlichen Verfehlungen der gekündigten Mitarbeitern bestanden offenbar in der Regel darin, daß die Mitarbeiter sensibilisiert waren und die Rechtmässigkeit ihrer Tätigkeit anzweifelten. Wer also kritisch hinterfragte, ob das, was wir dort taten, hinterfragte, wurde binnen kürzester Zeit entsorgt. Offensichtlich funktioniert nur so die Nutzlos-Branche: straff organisiert, mit Menschen arbeitend, die nicht nachfragen und bedingungslos das tun, was ihnen aufgetragen wird. Auch und gerade, wenn es kriminell ist.

Ein heutiger Kontakt zu einem meiner "Maulwürfe" rüttelte mich auf. Eigentlich weiß mittlerweile jeder dort, was läuft. Und ein jeder Mitarbeiter würde lieber heute als morgen das Unternehmen verlassen. Alle warten auf den großen Knall. Wobei die Firmenspitze nicht müde wird zu erwähnen, alles wäre okay und es gäbe keine Beweise. Ich möchte nicht in der Haut der Mitarbeiter stecken, die sicher irgendwann als Verantwortliche vorgeschoben werden. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön für euer Vertrauen, mich regelmässig mit Infos zu versorgen. Ich werde es rechtfertigen, aber das wisst ihr ja hoffentlich!

Manch unbedarfter Leser fragt sich vermutlich nun, warum die Mitarbeiter nicht einfach aussteigen und kündigen? Na, sorry, aber: wie leicht ist es, einen Job zu finden in der heutigen Zeit? Es herrscht meines Erachtens blanke Existenz-Angst, die nachvollziehbar sein sollte. Unter anderem darauf setzt die Firmenzentrale um Babenhauserheide, und deshalb ist das "Geschäftsmodell" auch erfolgreich. Es lebt von den Ängsten. In jeglicher Hinsicht.

Kommentare:

  1. Als ehemalige Prokuristin der ProInvent Wirtschaftsdetektei und Inkasso KG hoffe ich mal, dass über mich hier im Personalwesen nun nicht auch noch namentlich berichtet wird.

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  2. An Anonym über mir:

    ich verstehe ja, dass die Abzocker gerne anonym bleiben wollen. Ist doch logisch, dass diejenigen, die mitgeholfen haben, unsere Kohle abzuzocken, nicht auch noch namentlich erwähnt werden wollen. Wäre ja echt zu peinlich, wenn das z.B. die Nachbarn erführen.

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  3. Ich verifiziere, wie bereits aufgefallen sein sollte, wenn man meinen Blog aufmerksam verfolgt und werde sicher nicht pauschal jeden Mitarbeiter hier bloßstellen - sofern er nicht wissentlich (!) dieses Netzwerk mit seiner Arbeitskraft unterstützt oder unterstützte. Sensations-Journalismus ist nicht mein Ding.

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